Seit fast zwanzig Jahren arbeite ich ehrenamtlich im Johanniterhaus in Dannenberg, einer Pflegeeinrichtung für alte und behinderte Menschen. Anfangs ging es nur um das Singen, doch 2011
hatte ich das Bedürfnis, auch instrumental mit den Bewohnern zu musizieren. Das Problem war allerdings, dass – bis auf seltene Ausnahmen – niemand irgendeine musikalische Vorbildung hatte,
sei es als Mitglied eines Chores oder einer Instrumentalgruppe, geschweige denn Notenkenntnisse
besaß. Wie macht man mit Menschen, die von „Tuten und Blasen” keine Ahnung haben, Musik?
1. Eine Grundvoraussetzung für das gemeinsame Musizieren ist, dass sich die Musizierenden auf
ein Metrum, ein gemeinsames Zeitmaß einigen. Wenn jede und jeder nach eigenem Maß spielt,
dann gibt es ein Chaos, eine Kakophonie, ein heilloses Durcheinander. Folglich musste die Frage
gelöst werden: Wie schafft man es, gemeinsam zu „pulsieren”?
Aus früheren Diskussionen wusste ich, dass Headlines in den Printmedien häufig rhythmisch geprägt sind. Man kann also ganz bewusst Sprachmuster wählen, die einem bestimmten Rhythmus
folgen. Beispiel: „Gefahr im Anzug” (SZ am 19.8.2025). Notiert sähe das so aus:
Wenn man ein solches Sprachmuster mit den Teilnehmern einspricht, hat man ein einheitliches
rhythmisches Fundament, auf dem man dann mit Varianten aufbauen kann.
2. Das Tonsystem, das sich im abendländischen Kulturkreis über die Jahrhunderte ausgebildet hat,
kennt neben den verschiedenen Taktarten und Rhythmen auch unterschiedliche Tonarten und Tongeschlechter. Die Beziehungen unter den Tonarten sind höchst komplex und für ungeübte Musikanten ein Terrain voller Fallgruben. Man lese nur einmal die Episode von der missratenen Klavierstunde in „Die Geschichte von Herrn Sommer” von Patrick Süßkind.
Wesentlich praktikabler ist es, statt der acht- bzw. zwölftonigen Skala, eine pentatonische Skala zu
verwenden, indem man die Halbtöne f und h aus der C-Dur-Tonleiter entfernt. Auf diese Weise
gibt es keine Leittöne und keine Tongeschlechter (Dur und Moll). Alle Töne sind miteinander kompatibel. Es gibt keine „falschen” Töne. Niemand kann etwas verkehrt machen. Und natürlich kann
man auch mit nur fünf Tönen schöne Melodien „erfinden”.
Wortrhythmen und eine pentatonische Tonleiter sind also die beiden Grundpfeiler des elementaren Musizierens, um das es in diesem Buch geht. Das Material, das hier angeboten wird, ist in einem Altenheim erprobt worden, was aber nicht heißt, dass es sich bei diesem Buch nur um ein
Angebot für die Arbeit mit älteren Menschen handelt. In der frühkindlichen Musikerziehung kann
das hier vorgestellte Konzept ebenso greifen wie in Schulen oder bei Kinder- und Erwachsenengruppen von Kirchengemeinden.
Manche Elemente des elementaren Musizierens wie etwa das „freie Musizieren nach einem vorgegebenen Rhythmus” oder das „freie Musizieren nach einer vorgegebenen Melodie” gab es von
Anfang an. Anderes, wie das Mantrasingen oder das Kanonsingen ist erst im Laufe der Zeit dazugekommen. Und wer weiß, vielleicht fällt irgendwann in der Zukunft eine weitere Idee vom Himmel und erweitert das Spektrum. Neben allem anderen soll dieses Buch auch die Fantasie derjenigen, die es benutzen, anregen, so dass sie eines Tages keine Vorlagen mehr brauchen, sondern
mit eigenen Ideen das elementare Musizieren gestalten.
Sehr dankbar bin dafür, dass ich beim elementaren Musizieren von Tamara Schulz und Kyung-Ae
Braun tatkräftig unterstützt werde. Ohne deren Mithilfe wäre es für mich nicht ganz so leicht.
Eberhard Malitius
Alphabetisches Verzeichnis der Lieder
(nach Liedanfängen und Überschriften)
Bittet, so wird euch gegeben .......................................................... 40
Das war der Traum von einem Traum .............................................. 37
Der Kuckuck und der Esel ............................................................... 30
Der Sommer packt die Sachen ein ................................................... 41
Der Vater kriegt das Mittelstück ...................................................... 31
Die schlechte alte Zeit ..................................................................... 31
Die Schneeglöckchen läuten den Frühling ein .................................. 32
Ein Elefant mit langem Rüssel .......................................................... 30
Eingangslied ................................................................................... 5
Es wird wieder Frühling ................................................................... 32
Freunde, ich sag ade ....................................................................... 49
Ging ein Weiblein Nüsse schütteln .................................................. 32
Hallo, wir fangen an ...................................................................... 5
Ich hab keine Ahnung, wie das Leben funktioniert .......................... 40
Im Mai, da blühn die Kastanien ....................................................... 33
Isabella tanz Tarantella .................................................................... 34
Keine Ahnung ................................................................................. 40
Mach es wie die Sonnenuhr ............................................................ 34
Meine Mutter sprach zu mir ............................................................ 38
Ohne Singen ist alles nix ................................................................. 35
Ohne Singen ist ein Tag ein verlorener Tag ...................................... 35
Save our future ............................................................................... 36
Scheint die Sonne ohne Unterlass ................................................... 36
Sommertraum ................................................................................. 37
Was in Raum und Zeit besteht ........................................................ 49
Wenn ich ein Schloss hätt in Wien .................................................. 38
Wer nicht kommt zur rechten Zeit ................................................... 38
Wir schreiben einen Krimi