Die Hoffnung, dass mit dem Ende des Kalten Krieges die Welt und insbesondere auch Europa
friedlicher werden würde, wurde für die Europäer:innen spätestens mit dem Beginn des
Ukrainekriegs brutal zerschlagen. Ganz zu schweigen von den vielen anderen kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit, die seit 1989 geführt wurden und werden.
Insofern ist die Bitte Da pacem, Domine, in diebus nostris (Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen)
nach wie vor so aktuell wie zur Entstehungszeit der gleichnamigen mittelalterlichen Antiphon.
Martin Luther hat dieser Antiphon im 16. Jahrhundert noch eine deutsche Fassung hinzugefügt,
die seitdem in verschiedenen Varianten die Friedensbitten der nachfolgenden Generationen
immer wieder aktuell zum Ausdruck bringt.
Das vorliegende Orgelstück versteht sich auch als eine solche Friedensbitte auf der Grundlage
dieser Antiphon und ihrer Varianten. Melodisch orientiert es sich am Material des mittelalterlichen Gesangs und verschmilzt dies mit dem flehentlich-repetitiven Gestus, den der französische Komponist Jehan Alain 1937 seinem wohl berühmtesten Orgelstück Litanies gegeben hat
– und das Pate für die vorliegende Komposition stand. Diese Verschränkung der durch die
mittelalterliche Antiphon und durch Litanies etablierten Topoi spiegelt sich auch im Titel
Da-Pacem-Tocca-Li-ta-nei wider und lässt die Komposition zu einer Hommage an einen der
bedeutendsten Orgelkomponisten des 20. Jahrhunderts werden, der selber in kriegerischer Zeit
lebte und zum Kriegsopfer wurde.
Das Stück eignet sich gleichermaßen für den gottesdienstlichen wie für den konzertanten Gebrauch. Als gottesdienstliches Nachspiel kann es auch gekürzt unter Auslassung der Takte
15-72 gespielt werden.
Beigefügt sind noch zwei kurze Intonationen und ein Begleitsatz zu Luthers: Verleih uns
Frieden gnädiglich in der Fassung nach EG 421 ("Andere Form").