Zehn Mörike-Burlesken. Klare, adäquate Vertonungen der Mörike-Texte, uraufgeführt im Februar 2006 vom Amalien-Ensemble des Rundfunkchores Berlin.
Textanfang:
Was doch heut Nacht ein Sturm gewesen, Bis erst der Morgen sich geregt! Wie hat der ungebetne Besen Kamin und Straßen ausgefegt. Da kommt ein Mädchen schon die Straßen, Das halb verschüchtert um sich sieht. Wie Rosen, die der Wind zerblasen, So unstet ihr Gesichtchen glüht. Ein schöner Bursch tritt ihr entgegen, Er will ihr voll Entzücken nahn: Wie sehn sich freudig und verlegen Die ungewohnten Schelme an! Er scheint zu fragen, ob das Liebchen Die Zöpfe schon zurecht gemacht, Die heute Nacht im offnen Stübchen Ein Sturm in Unordnung gebracht. Der Bursche träumt noch von den Küßen, Die ihm das süße Kind getauscht, Er steht, von Anmut hingerissen, Derweil sie um die Ecke rauscht.
Sausewind, Brausewind! dort und hier! deine Heimat sage mir! "Kindlein, wir fahren seit viel vielen Jahren durch die Welt, und möchten's erfragen, die Antwort erjagen, bei den Bergen, den Meeren, bei des Himmels klingenden Heeren, die wissen es nie. Bist du klüger als sie, magst du es sagen. Fort, wohlauf! Halt' uns nicht auf! Kommen andre nach, unsre Brüder, da frag' wieder." Halt' an! Gemach, eine kleine Frist! Sagt, wo der Liebe Heimat ist, ihr Anfang, ihr Ende? "Wer's nennen könnte! Schelmisches Kind, Lieb' ist wie Wind, rasch und lebendig, ruhet nie, ewig ist sie, aber nicht immer beständig. Fort! Wohlauf! halt' uns nicht auf! Fort über Stoppel und Wälder und Wiesen! Wenn ich dein Schätzchen seh', will ich es grüßen. Kindlein, Ade!"